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SZ- Ein Tag im neuseeländischen Lockdown

Icon SZ kleinNeuseeland gilt weltweit als Musterland der Corona-Bekämpfung. Seit Ausbruch der Seuche hat der Inselstaat im südlichen Pazifik überhaupt nur rund 2600 Fälle zu verzeichnen und 26 Covid-Tote zu beklagen. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bislang 3,2 Millionen Fälle registriert, über 80 000 Menschen sind an oder mit Corona gestorben. Natürlich ist eine Pandemie in einem Inselstaat leichter zu kontrollieren und deshalb ist die Situation nur bedingt mit der unsrigen vergleichbar. Trotzdem fand unser Autor Leonhard Lüdke (Q11) es beeindruckend, wie schnell und beherzt die Politik in Neuseeland reagiert hat. Hier ist ein Erfahrungsbericht Lüdkes, der von Januar bis Juli 2020 in der neuseeländischen Großstadt Auckland (1,4 Millionen Einwohner) war.

„New Zealand isn’t just flattening the curve. It’s squashing it.” The Washington Post, 7.4.2020.

Um 08:00 Uhr klingelt der Wecker. Nachdem ich fünfmal auf die Schlummern-Taste gedrückt habe, stehe ich endlich auf und mache mich zum Joggen fertig. Ich jogge zum Meer, das eineinhalb Kilometer entfernt liegt. Draußen hängt noch tief der Nebel, und das Meer ist spiegelglatt. Man sieht nur ein paar Enten, die sich darauf herumtreiben. Normalerweise trainiere ich hier Segeln, aber auch das ist zurzeit natürlich nicht erlaubt. Am Strand treffe ich auf vier Leute, die mit genau zwei Metern Abstand nebeneinander laufen und sich dabei unterhalten (ich mache einen großen Bogen um sie herum). Als ich mich auf den Rückweg mache, lichtet sich langsam der Nebel, und die Sonne beginnt das Land aufzuheizen. Ich laufe im Slalom um die Leute, immer darauf bedacht, mindestens zwei Meter zwischen mir und den anderen zu lassen, was aber immer schwieriger wird, weil die engen Fußwege immer voller werden.

 Als ich wieder zu Hause bin, macht meine Gastmutter gerade im Wohn-/Esszimmer ihre Sportübungen. Weil sie dabei ungestört sein möchte, suche ich mir einen anderen Platz zum Frühstücken. Danach bereite ich mich auf meine erste Unterrichtsstunde vor – die im Lockdown per Videokonferenz stattfindet. Weil wir dafür die Software „Zoom“ einsetzen, heißen die Stunden jetzt „Zoom-Meetings“. Das erste Zoom-Meeting heute ist Mathe. Wir üben einige Aufgaben zusammen und unser Mathelehrer erklärt das Erweitern. Die Zoom-Meetings funktionieren so: Der Lehrer sendet eine E-Mail mit der Meeting-ID und dem Passwort. Zur vereinbarten Zeit kann man damit dem Meeting beitreten. Im Meeting sind dann die Klassenkameraden und der Lehrer, alle jeweils in einem kleinen Bildschirm-Fenster nebeneinander. Wer gerade am lautesten spricht wird jeweils auf dem Bildschirm in groß angezeigt (das ist dann manchmal ganz lustig, vor allem, wenn der Lehrer nicht derjenige ist, der am lautesten spricht). Der Lehrer kann aber auch jeden stummschalten. Nach ungefähr einer Stunde ist dann unser Mathe-Meeting zu Ende. Bis zu meinem nächsten Zoom-Meeting in Sport habe ich noch eine halbe Stunde. In der Zwischenzeit checke ich meine Schul-E-Mail und sehe, dass fünf neue Nachrichten angekommen sind. Darunter sind neue Aufgaben in Google Classroom, Ankündigungen für neue Zoom-Meetings und eine Erinnerung, dass ich eine Bio-Aufgabe auf Education Perfect (einer Onlineplattform) fertigstellen muss. Als ich dem Sport-Meeting beitreten will, meldet die Software, dass unser Lehrer gerade noch in einem anderen Meeting ist. Ich kann deshalb schließlich gar nicht mehr beitreten. Probleme gibt es also auch hier. Kurz darauf habe ich ein Reli-Meeting.

Das Mittagessen kocht sich in meiner Gastfamilie jeder selbst Da mich meine Gastmutter ermuntert hatte, kreativ beim Essenmachen zu sein und mir die ganze Küche zur Verfügung gestellt hatte, habe ich mir etwas Richtiges gekocht. Es hat sich dann aber herausgestellt, dass es ganz falsch war, etwas Warmes zu Mittag zu kochen, weil man sowas in Neuseeland einfach nicht macht. Danach hat meine Gastmutter dann doch wieder beschlossen, etwas vorzubereiten, meistens Toasties.

Nach der Mittagspause hole ich das Zoom-Meeting in Sport nach. In diesem Meeting geht es mehr darum, dass wir dem Lehrer erklären, wie Google Classroom funktioniert, als um Sport. Nach dem Meeting ist unser virtueller Schultag beendet.

Heute hat Neuseeland die Pandemie so gut wie überwunden. „Die coronafreie Blase am anderen Ende der Welt“, hat die Süddeutsche Zeitung vor ein paar Tagen getitelt. Auf der Facebook-Seite meiner neuseeländischen Schule sehe ich seit Wochen, wie meine Freunde von dort ohne Abstand und Masken Sport treiben, zusammen abhängen und Partys feiern. Ich wünschte, ich wäre wieder dort.

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