TeufF – Im Rahmen eines besonderen Schulkinotages beschäftigten sich unsere Schülerinnen und Schüler aus 11 und 12 mit einem schmerzhaften Kapitel der deutschen Wiedervereinigungsgeschichte und den bis heute spürbaren Folgen von rechtem Terror. Gezeigt wurde der eindrucksvolle Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“. Das Besondere an dieser Vorführung: Im Anschluss an den Film hatten die Klassen die seltene Gelegenheit, ein exklusives Filmgespräch mit der Regisseurin Martina Priessner zu führen. 

Der Dokumentarfilm beleuchtet den rassistischen Brandanschlag von Mölln am 23. November 1992, bei dem drei Menschen starben und neun schwer verletzt wurden. Im Zentrum steht der Überlebende İbrahim Arslan, der als Siebenjähriger nur knapp überlebte. Der Film dokumentiert eine ungeheuerliche Entdeckung: Fast 30 Jahre lang lagerten knapp 1.000 Briefe voller Mitleid, Trost und Solidarität aus der gesamten Bevölkerung ungelesen im Möllner Stadtarchiv. Die betroffene Familie erfuhr jahrzehntelang nichts von ihrer Existenz. Der Film zeigt eindringlich, wie dadurch eine wichtige gesellschaftliche Kraft der Solidarität im Keim erstickt wurde und die Opfer in ihrer Trauer isoliert blieben. 

Nach dem Abspann blieb es zunächst still im Kinosaal – die gezeigten Bilder und Originalaufnahmen hinterließen sichtlich Eindruck. Umso wertvoller war der anschließende Austausch mit Martina Priessner. Die Regisseurin gab den Schülerinnen und Schülern tiefe Einblicke in ihre langjährige Arbeit mit der Familie Arslan und erklärte, wie wichtig eine opferzentrierte Erinnerungskultur ist. In der Fragerunde interessierten sich die Jugendlichen besonders dafür, wie die bürokratischen Strukturen eines Stadtarchivs so viel Mitgefühl „wegsortieren“ konnten und wie es İbrahim Arslan heute gelingt, seine Traumata in aktiven Antirassismus-Arbeit zu verwandeln. 

Wir bedanken sich ganz herzlich bei Martina Priessner für ihren Besuch und den sensiblen, aufrüttelnden Austausch, der weit über einen normalen Kinobesuch hinausging.